Generation Maybe

Es ist ein sonniger Donnerstag Nachmittag, den ganzen Morgen habe ich in der Uni verbracht, aber jetzt ist es an der Zeit für einen ausgiebigen Spaziergang. Ich schlendere ziellos durch die Stadt. An mir hetzen zahlreiche Leute in dunklen Anzügen oder engen Bleistiftröcken vorbei. Ich frage mich, als was sie wohl arbeiten? Manager, Unternehmensberater, irgendwelche hohen Tiere wahrscheinlich. Ob sie wohl glücklich mit ihrer Berufswahl sind? Ich dachte mal, ich wüsste, was ich will. Stattdessen studiere ich nun meinen "Traumstudiengang" und weiß plötzlich so gar nicht mehr, was die Zukunft für mich bringen wird und was ich will. Ich wollte unbedingt Informatikerin werden und vielleicht werde ich das jetzt auch. Aber ist das wirklich der Job für mich? Ist das wirklich der Studiengang, der am besten zu mir passt? Es gibt so unendlich viel Auswahl, täglich treffe ich Leute, die irgendetwas studieren, von dem ich noch nie gehört habe. Vielleicht hätte ich noch besser recherchieren, bevor ich meinen Studiengang gewählt habe. Eigentlich ging das alles recht schnell:


Es war ungefähr ein Jahr vor meinem Abitur, ich wollte endlich wissen, wie meine Zukunft aussieht und habe mich daran gesetzt Studiengänge zu recherchieren. Dank meiner Informatiklehrerin, war ich mir recht sicher, dass es in Richtung Informatik gehen sollte. Denn das programmieren war eigentlich meine einzige Stärke, die ich sah. Aber pure Informatik? Dafür war ich wahrscheinlich nicht "Nerd" genug. Also schlug ich dieses dicke grüne Buch auf, in dem alle - sind es wirklich alle? - Studiengänge gelistet sind und blätterte auf die Seite mit Informatikstudiengängen. Schnell hatte ich einige rausgesucht, die ganz gut klangen. Und so kam ich letzten Endes auf die Website der Universität Hamburg mit ihrem "Mensch-Computer-Interaktion"- Studiengang. Schon im Einführungstext hatten sie mich gefangen und auch bei näherer Recherche konnte ich nichts finden, was nicht zu mir passen würde und so wurde es letzten Endes dieser Studiengang.
Vielleicht hätte ich länger nachdenken sollen. Aber eigentlich weiß ich immer noch nicht, was ich sonst kann und programmieren macht mir auch sehr viel Spaß. Viel mehr stört mich das Studiensystem: Auswendig lernen, Ankreuzklausuren, veralteter Stoff, ...
Im Moment befinde ich mich in einem leichten Tief. Ich frage mich was ich will, was meine Zukunft bringen wird und vor allem, was später mein Beruf sein wird. Täglich sehe ich Menschen am Handy, am Laptop, am Arbeiten. Überall, in der U-Bahn, auf der Straße, in Büros. Ich kann mir nicht vorstellen täglich mindestens 8 Stunden vor einem Computer zu verbringen, im Dunklen zur Arbeit zu gehen und im Dunklen wieder nach hause zu kommen um dann etwas zu essen, zu schlafen und wieder arbeiten zu gehen. Wo ist der Sinn? Lebt man fürs arbeiten?


Nun gut, immerhin eines weiß ich also schon: Ich möchte etwas mit einem Sinn tun, etwas, dass mir Spaß macht. Aber was soll das sein? Ich interessiere mich für Umweltschutz, nur habe ich dafür den falschen Studiengang gewählt. Auch aus der Fotografie ist es quasi unmöglich für mich einen Beruf zu machen. Dafür gibt es einfach schon zu viele Fotografen, die wahrscheinlich sogar viel besser sind als ich. Informatikerin, eigentlich mag ich den Gedanken ja schon. Aber mein Leben lang? Ich weiß es einfach nicht.
Ich gehöre wohl wirklich zur Generation Maybe. Wahrscheinlich würde es mir jetzt mit jedem Studiengang so gehen, egal welchen anderen ich gewählt hätte. Wahrscheinlich habe ich zu viel Freiheit, bin in zu viel Wohlstand geboren und aufgewachsen. Es ist nicht mehr so, wie als meine Mutter oder meine Oma jung waren, wo man einfach irgendetwas gearbeitet hat, weil eben Geld ins Haus musste. Meine Generation scheint nicht mehr so Pflicht bewusst, irgendwo wird das Geld schon herkommen, ist eher das Motto.


Hast du schon einen Beruf gefunden, den du ausüben willst und der dir Spaß macht? Wie stehst du zu dem ganzen Thema "Generation Maybe"?

Eva Katharina

Ich bin Eva, 21 Jahre alt und seit 2012 auf diesem Blog aktiv. Aktuell studiere ich in Hamburg, komme aber ursprünglich aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Heidelberg. Ich interessiere mich für alles rund um die Fotografie, bin seit einem Jahr aktive Umweltschützerin und Reise liebend gern.

Kommentare:

  1. Moin!
    Ich hab noch keine Idee in welche Richtung es mich beruflich später verschlagen soll... Langsam sollte man das eigentlich wissen, 11. Klasse, jeder macht Druck - immer nach dem Motto "wenn du jetzt noch nicht weißt, was du machen willst, dann wird ein Leben lang nichts aus dir". Aber es ist nicht so einfach, zu finden wo seine Stärken liegen und dann rauszufinden, was man damit anfangen kann... Etwas das am besten noch Perspektive hat, gut Geld einbringt, familienfreundlich ist. Ich bin überfordert - das einzige, was ich weiß - irgendwas mit Musik. Daraus lässt sich nur nicht einfach ein Schuh machen, mal gucken was die Zukunft bringt..
    Deine Überschrift/Thema erinnert mich gleich an den passenden Song von Teesy "Generation Maybe"
    LG

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    1. Ich wusste in der 11. Klasse, was ich studieren möchte und nun bin ich mir auch wieder nicht ganz sicher, ob das die Richtung ist, in der ich immer bleiben möchte. Ich finde es eigentlich doof, dass man schon so früh immer Druck bekommt, denn eigentlich ist es doch recht früh, das in der 11. Klasse schon zu wissen.
      Zumal die Ansprüche ja auch, wie du es beschreibst, super hoch sind. Perspektive, Geld, Familienfreundlich ,... wie soll man die Entscheidung denn mit oft unter 18 Jahren schon treffen?
      Den Song kenne ich gar nicht, muss ich mir mal anhören :)

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  2. Ich finde, es ist ein großes Privileg, diese Freiheit zu haben. Nur so hat man die Ruhe, sich ohne Druck zu suchen, was man wirklich machen möchte. Dann empfindet man die Arbeit gar nicht mehr als solche, wenn aus Beruf Berufung wird. Der Weg dahin kann dauern und muss nicht gerade sein. Ich z.B. habe nach dem Abi erst mal ein FSJ gemacht, und war mir danach erst (relativ) sicher, was ich weiter machen will. Wenn man nicht sein Leben lang studiert, ist es gerade richtig, sich damit Zeit zu lassen: Wer endlich dann neinen Beruf findet, der ihm wirklich liegt, wird dann gut verdienen und umso mehr leisten, als jemand , der mit dem Ziel möglichst schnell Geld zu verdienen durchs Leben geht.
    Vielleicht ist es eine Gegenbewegung, diese Unsicherheit, zu einem Bildungssystem, das mit G8 und Bachelor / Master -System das Ziel hat, die Jugend möglichst schnell als Arbeitskräfte zu erhalten.

    Und @ Annekatrin: Lass dir Zeit: Informiere dich rechtzeitig über Freiwilligendienste oder Auslandsjahre. Man kann inzwischen in so vielen Bereichen Freiwilligendienst machen, das hilft sehr zur Berufsfindung. Es gibt FSJs im klassisch sozialen, im Denkmalschutz, in der Kultur und im ökologischen Bereich. ICh habe ein FSJ Kultur beim Jugendpfarramt meiner Landeskirche gemacht und hatte die Chance, sehr viele Arbeitsfelder kennen zu lernen, was mich nachher auch in meinem Studienziel Meteorologie bestärkt hat:
    Im Laufe des Jahres habe ich von Tätigkeiten in der (Veranstaltungs-)Organisation über Pressearbeit, Theologische Tätigkeiten (Andachten, inhaltliche Arbeit), Jugendarbeit, Handwerk, bis hin zu Referententätigkeit im Umweltbereich viele verschiedene Berufsfelder und Kollegen kennen gelernt. In den Seminaren traf ich dann FSJler aus Museen, Theatern uvm. aus dem ganzen Bundesland.

    Fazit: Wenn wir das Privileg haben, lassen wir uns Zeit mit dem Arbeiten. Studienzeit ist eine schöne Zeit!
    LG
    Jakob

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    1. Hei Jakob!
      Danke für den Tipp, ich hab gar nicht gewusst, wie vielfältig so ein FSJ sein kann!

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    2. Für dich mit Musik wird beim FSJ Kultur bestimmt was dabei sein. Bei mir waren einige dabei in der Seminargruppe, die bei Musikschulen, in der Kirchenmusik oder bei Veranstaltungsorten vön Konzerten (Kulturzentren z.B.) ihre Freiwilligendienste machten.

      Jeweils im September geht das Jahr los, im Februar vorher ist Bewerbungssschluss.
      LG
      Jakob

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    3. Da hast du Recht es ist natürlich auch eine große Freiheit. Nur die eigene "Berufung" zu finden ist gar nicht so leicht, mir fällt es zumindest nicht leicht. Ich war mir nach dem Abi ja recht sicher was ich möchte, vielleicht hätte ich auch erstmal trotzdem ein Jahr FÖJ oder ähnliches machen sollen. Aber eigentlich mag ich mein Studium ja doch auch, es ist wahrscheinlich einfach nur der Luxus der vielen Möglichkeiten. Man ist sich nie sicher, ob das was man sich rausgepickt hat wirklich 110% sind.
      Deine These mit dem Bildungssystem leuchtet mir auch ein. Man wird ja gerade zu dazu getrieben möglichst schnell auf dem Arbeitsmarkt zu sein und das obwohl es so viele Möglichkeiten gibt.

      Sehr schön, dass ihr euch hier gegenseitig helft! :)

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  3. Ich bin mir ziemlich sicher, was ich will. Aber Autoren verdienen kaum genug um von Brot und Wasser zu leben. Also muss etwas anderes her - und offenbar bin ich laut meinen Noten dafür nicht geschaffen. Das nervt, denn alle anderen Optionen kommen mir zwar spaßig aber nicht sinnvoll vor.
    Dazu kommt natürlich das ständige Grübeln. Wir haben viel Zeit darüber nachzudenken, ob wir glücklich sind und vergessen dabei manchmal es einfach zu sein.

    Liebe Grüße
    Ju

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    1. Fotografin würde ich auch gern werden, aber das ist wie mit den Autoren, irgendwo muss das Geld leider reinkommen...
      Ich drücke dir die Daumen, dass du trotz Hinternissen deinen Weg gehst und das richtige findest :)
      Mit dem Grübeln hast du recht, oft merkt man gar nicht, dass man gerade Glücklich ist, weil man zu viel darüber nachdenkt.

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  4. Ich habe mir deinen Text durchgelesen und habe vollkommen mit dir gefühlt! Ich habe eine Ausbildung gemacht und habe schließlich gemerkt, dass sie gar nichts für mich ist. Zwar arbeite ich jetzt noch in dem Beruf aber will zum Sommer hin meinem Traum nachgehen und ob das alles klappt steht auch noch in den Sternen. Dir drücke ich die Daumen, dass du deinen Weg noch finden wirst, denn das was ich in meinen drei Jahren Ausbildung gelernt habe ist, dass es keinen Sinn hat das zu tun, wofür man nicht brennt.
    Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende dir!
    Lg. Anna

    https://wwwannablogde.blogspot.de/

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    1. Ich wünsche dir und drücke dir beide Daumen, dass du deinen Traum leben kannst!
      Vielen Dank für deinen aufbauenden Kommentar :)

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