Wie 6 Wochen in Südafrika mein Leben verändert haben

Fast ein Jahr ist es nun her, dass ich mich ins Flugzeug nach Südafrika gesetzt habe und auch wenn ich nur sechs Wochen dort war hat dieser Trip wirklich mein Leben verändert. Und erst jetzt im Nachhinein habe ich gemerkt, wie sehr und vor allem was er an mir geändert hat.
Einer der vielen Beweggründe die ich hatte, nach Kapstadt zu gehen, war dass ich gern selbstständiger werden wollte. Es war schon immer eine meiner großen Macken, dass ich ungern etwas allein und selbständig getan habe. Das ist zwar mit den Jahren und der Pubertät immer besser geworden, aber ganz weg war es nicht. Also wollte ich einfach ins kalte Wasser springen und endlich auf mich allein gestellt sein. Am Tag des Flugs, dachte ich es wäre die schlimmste Entscheidung meines Lebens gewesen: Was wenn ich keine Freunde finde? Oder eine schreckliche Gastfamilie habe? All solche Fragen schossen mir durch den Kopf, außerdem hatte ich starke Probleme damit für sechs Wochen von meiner Familie und Freunden wegzugehen. Das war auf jeden Fall ein tränenreicher Tag und am Flughafen müssen die Leute gedacht haben, ich wäre nach Afrika zwangsverkauft worden oder so etwas.Als ich schließlich in Kapstadt war, wurde ich optimistischer.
Meine Gastmutter war zwar streng gläubige Muslima, was für mich als überzeugte Atheistin eine ganz andere Welt ist, aber sie war eine sehr nette, ältere Dame die mich gleich recht herzlich willkommen hieß und ungefähr ihrer gesamten riesigen Familie vorstellte.
Nun habe ich den Punkt der Religion angesprochen: Ich habe in Kapstadt sehr viel über den Islam gelernt. An meiner Einstellung hat das zwar nichts geändert, aber es kann sicher nicht schaden, mal in eine andere Religion hineinzuschauen. Wir durften zum Beispiel kein Schweinefleisch und Alkohol ins Haus bringen. Außerdem haben wir mehrmals gehört oder auch erlebt wie ein Taxifahrer bei dem wir einen Tagestrip gebucht hatten uns irgendwo absetzte und sagte er kommt in zwei Stunden wieder, er müsse jetzt beten gehen. In Deutschland wäre das einfach unvorstellbar, dass ein Dienstleister seinen Kunden irgendwo stehen lässt, oder?

Nearly one year ago I was flying to South Africa and even if I spent only six weeks over there, this journey really changed my life. Afterwards in the last year I learnt how and especially how much it changed.
One of my biggest issues why I wanted to go to Cape Town was that I wanted to be more independent. It was always a big problem for me that I didn't like to do things by myself or alone. This problem got better in the last years and with the puberty but it didn't vanish completely. So I just wanted to jump into the cold water and be on my own. On the day of my flight I thought it was the worst decision I ever made: What if I don't find friends? Or if I have a bad host family? Questions like that and the thought to leave all my friends and family behind made it hard for me to go. That was a tearful day for me and all the people at the airport must have thought I was getting sold to Africa or something like that. When I finally was in Cape Town I was getting more optimistic.
My host mum was a deeply religious Moslem, what's another world for me as an atheist, but she was a friendly, older women and was welcoming me dearly.
Now I raise an issue about religion: In Cape Town I was learning a lot about the Islam. It doesn't change anything on my attitude, but it can't hurt to peep in another religion. For example shouldn't bring pork or alcohol into the house. And also we often heard or even experienced that a taxi driver with which we booked a day trip just dropped us somewhere and said he will come back in two hours, because he has to pray now. In Germany something like that would be unimaginable that a contractor just abandon it's customer somewhere.



Ich habe gelernt Dinge wie Heimweh und andere negative Gefühle erstmal zurückzustecken und einfach nur den Moment zu genießen und was finde ich dazu gehört: offen für Neues sein und einfach mal Ja sagen. Zum Beispiel bin ich in sämtliche Clubs mitgekommen, obwohl ich schon von Deutschland wusste, dass ich kein großer Clubfan bin. Außerdem habe ich so viele Aktivitäten wie möglich mitgemacht und eigentlich war ich kaum zu hause bei der Gastfamilie oder hatte Zeit für mich, aber das war auch vollkommen super so. Dieses offen sein für neues hat mir auch hier in Hamburg schon einige interessante Momente beschert, zum Beispiel war ich auf zwei Konzerten, für die eine Freundin von mir Karten gewonnen hat. Beide waren nicht meine Musikrichtung, es handelte sich um ein Rap-Konzert von Angel Haze und eines von Disclosure was DJ's sind. Dennoch hatte ich zwei sehr schöne Abende und habe es nicht bereut einfach Ja gesagt zu haben, ansonsten wäre ich wahrscheinlich zu hause rumgesessen und ob das so toll gewesen wäre?
Eine weitere Südafrika Lektion habe ich in Bezug auf Essen gehabt. Zu hause hat immer meine Oma gekocht und sie ist eine tolle Köchin, dennoch war ich schon immer sehr wählerisch was Essen angeht. Ich mag bestimmte Sachen nicht und Essen das nicht von Oma ist, war auch manchmal echt kritisch. Nun war ich also in Südafrika und meine Gastmutter fand immer sie würde ganz grandios kochen, als ich dann aber Pinke Würstchen und Fleisch, das wie schonmal gegessen aussah, auf dem Tisch sah, stellte sich heraus, dass sie zwar grandios backen konnte, aber das kochen ließ eher zu wünschen übrig. Nun hatte man aber für Essen bezahlt und immer auswärts Essen war natürlich sowieso viel zu teuer. Außerdem bin ich nach Kapstadt gegangen mit der Erwartung an mich selbst offen für Neues zu sein und alles auszuprobieren. So habe ich schließlich auch aufgehört wählerisch zu sein, was auch jetzt in der Mensa wirklich hilfreich ist.

I also learned to cut back on things like homesickness or other negative feelings and just savour the moment and what's often belonging to that: be open for new things and just say yes. For example I was going into nearly every club the others wanted to go, although I knew from Germany that I hate clubs. Moreover I was trying to do as much activities as possible and most of the days I was only home at my host family for sleeping and eating. To be open for everything also got me some great moments here in Hamburg, I just spontaneously went to two concerts of which a friend of mine got tickets. Both of them weren't really my music genre one was rap of an artist named Angel Haze and another was were the DJ's Disclosure. Even if the music wasn't really mine, both were great evenings and I enjoyed them a lot. If I wouldn't have said yes, I maybe just would have sit around at home doing nothing.
Another South Africa unit was in terms of eating. At home my grandma was always cooking and she is a great cook, nevertheless I was pretty picky with food. I dislike some stuff and food that isn't from my grandma was always a problem. Now I was in South Africa and my host mum always told me she is a great cook, in the end there were pink sausages and meat that looked like it has already been eaten on the table. My host mum was a great baker but not that much of a cook. But I already payed for two meals a day and always eating away is kind of expensive. Moreover I went to Cape Town to try something new and be open for new things, so I stopped being picky. This unit is also helpful now in Hamburg because I often eat in the canteen.



Auch meine Erfahrungen in den Townships haben einiges geändert, denn Armut zu sehen, wenn man selbst den westlichen Lebensstil gewohnt ist, ist gar nicht so einfach. Wir wissen alle, dass es Armut auf der Welt gibt und wir wissen wohl auch alle, dass das einfach nur schrecklich ist, aber es zu sehen macht es nochmal viel realer. In diesen Townships hatten die Leute quasi nichts: Wir gaben bei unserem ersten Besuch einem Kind einen Apfel und nach ein paar Minuten fragten wir es, ob es den Apfel nicht essen wolle. Als Antwort kam: "Den muss ich mit nach Hause nehmen, damit meine Familie auch noch was davon hat." Das Kind wollte also diesen Apfel mit seinen Eltern und Geschwistern teilen. Unvorstellbar für uns verwöhnte Leute aus Europa. Armut zu sehen hat mich in der Hinsicht verändert, dass ich sparsamer geworden bin. Ich versuche mich unserer Konsumgesellschaft nicht ganz so sehr hinzugeben - was hier in Europa eigentlich nicht möglich ist. Außerdem habe ich inzwischen noch fester als vorher den Wunsch Pate für ein afrikanisches Kind zu werden. Wenn ich ein festes Einkommen hätte, hätte ich dies schon längst realisiert.
All diese Dinge sind wohl eher unerwartete Nebeneffekte des Trips, aber auch mein Hauptziel habe ich erreicht: Ich bin selbstständiger geworden. So bin ich ohne Probleme und viele Tränen nach Hamburg umgezogen und führe seither ein selbstständiges Leben. Die Wohnungssuche habe ich fast allein übernommen und hatte auch keine großen Probleme damit allein zu Besichtigungen zu gehen. Insgesamt könnte man sagen: Ich habe kein Problem mehr damit allein zu sein.

I already told you a lot about my experiences at the Townships, but they are still worth mentioning them in this post. Seeing poverty changed a lot for me. We all know that there is poverty on this world and we all know how cruel that is, but seeing it makes it a lot more real. In this townships the people have nearly nothing: At one visit we gave a child an apple and after some minutes we asked if it doesn't want to eat it. It answered: "I have to take it home with me, so my family can have some of it." So the kid wanted to share the apple with it's parents and siblings.
Seeing poverty changed me because I'm now thriftier, I try to not live this consumerism as much as other people in Europe do what's nearly impossible while living here. Besides I would like to help african children - in Germany we have a nice organization named Plan for that - , if I had fixed income I would already do that.
All these things are more like unexpected side effects of the journey, but I also reached my main goal: I'm more independent. Without big problems and a lot of tears I moved to Hamburg and have an independent life here. Overall I can say: I don't have problems with being alone anymore.


Eva Katharina

Ich bin Eva, 20 Jahre alt und seit 2012 auf diesem Blog aktiv. Aktuell studiere ich in Hamburg, komme aber ursprünglich aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Heidelberg. Ich interessiere mich für alles rund um die Fotografie, bin seit einem Jahr aktive Umweltschützerin und Reise liebend gern.

Kommentare:

  1. Ach ja - ich kann mich gut daran erinnern und liebe die Bilder von dort noch immer.

    Liebst
    Justine

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    1. Ich auch, jedes mal wenn ich die Bilder ansehe bekomme ich etwas Fernweh

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  2. Ein sehr schöner Beitrag,
    und ich kann mir gut vorstellen
    das ein Trip nach Südafrika sicher eine sehr
    interessante Sache ist.
    Es gibt Dinge, die verändern das Leben und die Einstellung für immer!

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    1. Dankeschön :)
      Das stimmt, ich bin gespannt was für Dinge noch kommen werden, die meine Einstellung so beeinflussen :)

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  3. Ich habe Europa bisher nicht verlassen, aber würde auch gerne noch soviel mehr von der Welt sehen! Afrika ist auch ein Traum von mir! Aber pinke Würstchen würde ich auch erstmal kritisch beäugen ;)

    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Dann wird es aber mal Zeit nach Afrika zu fliegen ;) Ich würde es jeder Zeit wieder tun - wenn es nur der Geldbeutel zulassen würde.

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